• Saison 2022

    Museum Liaunig

    Das Museum Liaunig verfügt über eine der umfangreichsten Sammlungen österreichischer Kunst ab 1945, die in wechselnden Ausstellungen der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Als Kontrastprogramm zur zeitgenössischen Kunst verstehen sich die historischen Sammlungen der Familie Liaunig: 2022 wird neben seltenen Portraitminiaturen und kostbaren Gläsern von der Renaissance bis zum Biedermeier auch wieder die afrikanischen Schau "Das Gold der Akan" gezeigt.  

    Bei schönem Wetter lädt der weitläufige Skulpturenpark zu einem Spaziergang ein. Die Aufstellung unter freiem Himmel zeigt eine generationenübergreifende Auswahl österreichischer und internationaler Künstler von der Moderne bis zur Gegenwart.


    Ausstellungen 2022

    Lost in Space: Raum, Ding und Figur
    Entwicklungen innerhalb der Skulptur seit 1945

    Hauptausstellung

    Roland Goeschl(1.Mai bis 24. Juli) / Markus Prachensky (31. Juli bis 30. Oktober)
    Sonderausstellungen im Rahmen der Serie "Alte Freunde"

    Das Gold der Akan / Portraitminiaturen / Glas 
    Historische Sammlungspräsentationen

    Skulpturenpark
    Bei schönem Wetter im Rahmen eines Museumsbesuchs zu besichtigen


    Museum Liaunig
    1. Mai bis 30. Oktober 2022 ∙ Mi bis So von 10 bis 18 Uhr
    Museum Liaunig ∙ 9155 Neuhaus/Suha 41 ∙ +43 4356 211 15 office@museumliaunig.at ∙ www.museumliaunig.at



    Hauptausstellung

    Lost in Space
    Raum, Ding und Figur –
    Entwicklungen innerhalb der Skulptur seit 1945

    Die Hauptausstellung im Museum Liaunig ist heuer dem Thema Skulptur gewidmet. Gezeigt werden rund 140 österreichische und internationale Positionen aus dem Zeitraum 1950 bis jetzt. Bis auf wenige ergänzende Leihgaben stammen sie alle aus der hervorragend ausgestatteten Privatsammlung der Familie Liaunig. Da es sich hier um eine Präsentation von dreidimensionalen Objekten handelt, bei der eine Rundumansicht zweckdienlich ist, wurden die meisten Einstellwände umgelegt und so zu Podesten umfunktioniert – gleichsam als inhaltliche Verdichtungen. An die Haupthalle angrenzende Gänge und Balkons sowie das Skulpturendepot und der Skulpturenpark des Museums sind in die Konzeption der Ausstellung integriert.

    Für den gesamten Zeitraum, den die Ausstellung "Lost in Space" überspannt, kann gelten, dass man in der Skulptur nicht mehr allgemein bekannte oder heroische Gestalten nachzubilden bereit ist, sondern abstrakte Ideen oder innere Visionen in eine konkrete Form bringen möchte.

    Die Begriffe Raum, Ding, Figur bzw. deren Verhältnis zueinander bestimmen diese Ausstellung. Das klassische Verständnis der Skulptur geht von jeher vom Anthropomorphen aus. Anfang des 20. Jahrhunderts beginnt ein Prozess der Auflösung dieses Prinzips. Der Gegenstand wird durch die Abstraktion eliminiert, kehrt jedoch als „Ready-Made“ in anderer Form wieder zurück. Das Ding bleibt somit zwar im Spiel, bekommt aber zusätzliche Wertigkeiten. Eine Konsequenz ist die Definition des Raumes als Kategorie – wie Zeit, Energie oder Bewegung – im Gegensatz zu den die Skulptur bisher bestimmenden Kategorien wie Masse, Volumen, Schwerkraft. Der Raum war eigentlich immer ein vom Körper der Plastik getrennter Zustand. In der klassischen Raumvorstellung verhalten sich die Dinge zum Raum nach dem Prinzip der Verdrängung. Der Körper unterbricht dabei den leeren Raum. Wenn das plastische Gebilde nun den Raum verkörpern soll, muss es ein anderes Verhältnis zu ihm aufbauen. Das bedeutet mitunter, die Leere des Raumes zu erfassen und als solche in der Skulptur zu thematisieren. Damit ist die Skulptur mehr als ein Ding im Raum, sie schafft erst den Raum. Die Definition des Raumes bzw. die aktive Beziehung von Ding, Figur und Handlung zum Raum ist ein Grundanliegen der Skulptur im 20. und 21. Jahrhundert. Schatten-, Licht-, Spiegel-, Hohl- und Zwischenräume sowie Leer-, Luft-, und Scheinräume werden dabei zu bestimmenden Elementen. Der „negative Raum“ als Begriff dafür, alles scheinbar Nichtsichtbare sichtbar zu machen, beschreibt wozu die Skulptur im Lauf des 20. Jahrhunderts mehr und mehr übergegangen ist.

    Die Ausstellung teilt sich in drei grundsätzliche Kapitel. Den prologischen Auftakt bildet eine Zusammensicht dieser Kapitel – Ding, Figur, Raum. In der Folge werden exemplarisch Arbeiten im Zusammenhang mit dem „Ready-Made“, dem Alltagsgegenstand oder deren Funktionsweisen diskutiert. Der Raum mit seinen höchst unterschiedlichen Formulierungen bis hin zum Licht- oder Datenraum wird hier facettenreich präsentiert. Arbeiten zu Phänomenen wie Spiegel, Schatten oder Bewegung führen weiter bis zur Architektur. Die menschliche Figur bzw. das Anthropomorphe ist in dieser Ausstellung nur mehr indirekt erfasst – Kleidung, Körperfunktionen, etc. Die klassische Moderne, die den Körper durch Abstraktion weitestgehend reduziert hat, ihn aber noch bestehen ließ, kommt in "Lost in Space" epilogisch vor – die Ahnen blicken gleichsam vom Balkon, also von außen, ins Geschehen hinein.

    Der menschliche Körper hat sich im Raum aufgelöst, hat sich zunehmend als Referenz aus dem Skulpturalen verabschiedet. Es blieb der Sturz des Denkmals, die Betonung des Gegenstandes gegenüber der menschlichen Figur, die Materialisierung von Immaterialität, die Betonung des negativen Raumes.

    In der groß angelegten Schau, die von einem umfangreichen Katalog begleitet wird, sind Arbeiten von folgenden Künstlerinnen und Künstlern zu sehen: Raimund Abraham, Pierre Alechinsky, Karel Appel, Joannis Avramidis, Josef Bauer, Wolfgang Becksteiner, Wander Bertoni, Francesco Bocchini, Anthony Caro, Peter Cook, Tony Cragg, Canan Dagdelen, Gunter Damisch, Behrooz Daresh, Günther Domenig, Otto Eder, Manfred Erjautz, Lorenz Estermann, Herbert Flois, Andreas Fogarasi, Padhi Frieberger, Bruno Gironcoli, Stefan Glettler, Dorothee Golz, Helmuth Gsöllpointner, Julia Haugeneder, Julie Hayward, Wolfgang Heusgen, Rudolf Hoflehner, Hans Hollein, Theo Jansen, Martin Kaar, Gerhard Kaiser, Michael Kienzer, Katharina Kleibel, Peter Kogler, Cornelius Kolig, Willi Kopf, Brigitte Kowanz, Hans Kupelwieser, Maria Lassnig, Heinz Leinfellner, Daniel Libeskind, Helmut Mark, János Megyik, Walter Moroder, Alois Mosbacher, Gerhardt Moswitzer, Matt Mullican, Heribert Nothnagel, Franz Xaver Ölzant, Fritz Panzer, Helga Philipp, Franz Pichler, Josef Pillhofer, Klaus Pinter, Rudolf Polanszky, Peter Pongratz, Hannes Priesch, Erwin Reiter, Werner Reiterer, Hans Schabus, Robert Schad, Eva Schlegel, Martin Schnur, ManfreDu Schu, Johann Schwarz, Christian Schwarzwald, Fabian Seiz, Zbyněk Sekal, Pablo Smidt, Oswald Stimm, Esther Stocker, Erwin Thorn, Elmar Trenkwalder,  Andreas Urteil, João Pedro Vale, Walter Vopava, Manfred Wakolbinger, Paul Wallach, Franz West, Markus Wilfling, Lebbeus Woods, Fritz Wotruba, Reimo Wukounig, Erwin Wurm, Johanes Zechner und Leo Zogmayer.


    Hauptausstellung "Lost in Space"
    Kurator: Günther Holler-Schuster
    1. Mai bis 30. Oktober 2022 ∙ Mi bis So von 10 bis 18 Uhr
    Museum Liaunig ∙ 9155 Neuhaus/Suha 41 ∙ +43 4356 211 15
    office@museumliaunig.at ∙ www.museumliaunig.at



    Sonderausstellung

    Alte Freunde: Roland Goeschl

    Das Museum Liaunig widmet dem in Salzburg geborenen Künstler Roland Goeschl (1932–2016) anlässlich seines 90. Geburtstages eine Ausstellung im Rahmen der Serie "Alte Freunde" Herbert Liaunig ist den seit 2016 in dieser Reihe vorgestellten Künstlerinnen und Künstlern seit Jahrzehnten als Freund und Sammler zugetan. Goeschl, der sich in seinem Werk mit den Themen Bewegung, Raum und Plastik, Architektur und Skulptur auseinandersetzte, zählt mit seiner radikalen Formensprache und der prägnanten Farbgebung seiner Werke in Rot – Blau – Gelb zu den wichtigsten Vertretern der konkreten Kunst in Österreich.

    In der von Peter Liaunig zusammengestellten Schau sind neben Arbeiten aus der Sammlung Liaunig Leihgaben aus dem Nachlass des Künstlers zu sehen. Im Fokus stehen einzelne zentrale Werkphasen beginnend mit frühen "bewegten" Bronzefiguren sowie Skizzen zur Dynamik und Bewegungsstudien. Wichtige Impulse für seine künstlerische Entwicklung erhielt Goeschl, der von 1956 bis 1961 bei Fritz Wotruba an der Akademie der bildenden Künste in Wien studierte und später als sein Assistent arbeitete, bei einem Aufenthalt in London 1962/63. Es entstehen erste farbige Werke – ein Kupfer-Relief in Rot und Blau sowie hölzerne Figuren aus dieser Zeit werden in der Schau gezeigt. Das Thema der "Sackgasse", mit dem sich der Künstler ab Mitte der 1960er-Jahre beschäftigte, ist in der Ausstellung ebenso präsent wie ein großes Skulpto-Raum-Relief und seine Zylinder-Skulpturen mit Skulpto-Malereien, die Anfang der 1990er-Jahre entstanden sind, sowie späte Papier- und Metallfaltungen aus dem Werkblock "Eselsohr" (2001).

    Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog mit einem Text von Harald Krejci. 


    Sonderausstellung "Alte Freunde: Roland Goeschl"
    1. Mai bis 24. Juli 2022 ∙ Mi bis So von 10 bis 18 Uhr
    Museum Liaunig ∙ 9155 Neuhaus/Suha 41 ∙ +43 4356 211 15
    office@museumliaunig.at ∙ www.museumliaunig.at