Europäisches Silber von 1490-1830

Mit der Erweiterung des Museums bot sich die Möglichkeit weitere historische Sammlungen der Familie Liaunig im Rahmen wechselnder Dauerausstellungen – als Kontrast zur zeitgenössischen Kunst – öffentlich zugänglich zu machen.

Die 2018 erstmals präsentierte Silbersammlung Liaunig gibt einen Einblick in die europäische Silber- und Goldschmiedekunst von 1490 bis 1830, beginnend im späten Mittelalter, geht über in die Ereignisse um den Dreißigjährigen Krieg und klingt kurz nach den napoleonischen Kriegen in Europa aus. Der Schwerpunkt liegt auf den Goldschmiedezentren Nürnberg und Augsburg, aber gerade die ebenfalls gezeigten Stücke aus kleineren Zentren der Goldschmiedekunst ergeben einen wunderbaren Kontrast der Gestaltungsvielfalt.

In der Schau finden sich rund 90 ausgewählte sakrale und profane Silber-Stücke, anhand derer sich die Entwicklung der Formensprache nachvollziehen lässt – vor allem im Bereich der Trinkgefäße. So wirken die barocken Humpen im Gegensatz zu den zurückgenommenen englischen Objekten des späten 18. Jahrhunderts überschwänglich in der überbordenden Dekoration und den aufwändigen plastischen Verzierungen. Der Klassizismus ist dagegen sehr zurückhaltend, wenig Dekoration wirkt auf viel Fläche. Die Stile änderten sich, so wie sich die Zeit änderte oder die politischen und religiösen Voraussetzungen: Kam zum Beispiel der Protestantismus ins Spiel, wurde plötzlich alles sehr spartanisch und reduziert in der Gestaltung.

Werke der Gold- und Silberschmiede bieten den Forschern in vielerlei Hinsicht optimale Bedingungen. Verschiedene Punzen, Meistermarken und andere Symbole zur Herkunftsdefinition, die in das weiche Grundmaterial edler Metalle wie Gold und Silber eingeschlagen wurden, können jede Menge an Information zur Entstehungsgeschichte der einzelnen Stücke preisgeben.

Die Sammlungspräsentation wurde von Sonja Evelyn Höpp kuratiert und wissenschaftlich aufgearbeitet. Ein reich bebilderte Katalog mit einem Vorwort von Georg Ludwigstorff wurde anlässlich der Ausstellungseröffnung im April 2018 publiziert.


Sammlungspräsentation „Europäisches Silber 1490–1830“
Kuratorin: Sonja Evelyn Höpp
29. April bis 28. Oktober 2018 ∙ Museum Liaunig ∙ 9155 Neuhaus/Suha 41
+43 4356 211 15 ∙ office@museumliaunig.at ∙ www.museumliaunig.at
Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr